Ein Hund auf Reisen

At rejse er at leve – Teil 1

Reisen heißt leben – also haben wir uns auf den Weg gemacht – und ich muss sagen: Es war ganz in Ordnung. Eigentlich sogar ziemlich in Ordnung. Ich werde auf jeden Fall nächstes Mal wieder mitfahren – aber erst berichte ich Euch ausführlich von meinen Erlebnissen.

At rejse er at leve

HC Andersen „Mit Livs Eventyr“

Ich habe eine Woche lang nicht in meinem Hundebett geschlafen – Herrchen und Frauchen nennen das Ohrlaub oder so ähnlich.

Ich hatte mir dieses Ohrlaub anders vorgestellt, aber es bedeutet wohl, dass man eine Zeit lang nicht auf seinem gemütlichen, heiß geliebten Platz ausruhen und nachts dort schlafen kann. Außerdem ist es ein riesiges Hin- und Hergeräume.

Am Tag bevor es losging, wurden Klamotten in Taschen gepackt (dieses Konzept von Kleidung habe ich auch noch nicht ganz durchschaut: Warum muss Frauchen denn beim Training was anderes anziehen als morgens beim Spaziergang, um sich dann abends nochmal komplett in andere Klamotten zu werfen?) – Handtücher, der Kühlschrank wurde durchforstet und einiges eingepackt (ich hätte dabei helfen mögen, sollte aber nicht) und alles ins Auto getragen. Als die beiden endlich anfingen, auch meine Sachen einzupacken, war ich einigermaßen beruhigt – was auch immer da passieren würde, ich würde offensichtlich dabei sein.

Futter, Näpfe, Leckerlies, Decken, Spielzeug…alles wurde ins Auto getragen und nach einer ausgiebigen Morgenrunde ging es los. Mit dem Auto. Ich mag Autofahren sehr. Es ist einigermaßen gemütlich in dem Kennel, den Frauchen und Herrchen für mich dort hineingestellt haben und auf dieser Fahrt kann ich die beiden da vorne sogar sehen (sie haben da wohl irgendwas ausgebaut, denke ich).

Nach kurzer Zeit machen wir schon eine Pause, Frauchen und Herrchen brauchten die offensichtlich und ich wollte mal nicht so sein und bin auch ausgestiegen. Zum Glück – denn was für ein Refugium an neuen Gerüchen! Autoreifen, Autos, große Menschen, kleine Menschen, freundliche Hunde, gestresste Hunde, Kaffee, Brötchen, Nudelsalate, Pipi und andere Körperausscheidungen, Wiese, Asphalt – aufregend! Als es wieder losgehen soll, laufe ich über die Rampe, die Frauchen und Herrchen extra für mich angeschafft haben, ins Auto. Ich bin noch jung, sagen die beiden, ich darf noch nicht so viel springen. Ich könnte es natürlich, aber ich tue den Zweien mal den Gefallen.

So bin ich eben – jedenfalls meistens.

Stress ist nicht gut und da ignoriere ich mal eben den hochnäsigen Blick des Airdale Terriers gegenüber ganz locker aus der Hüfte. Nach der Pause dauert es gar nicht mehr lange und wir kommen an einem Häuschen an, in das Herrchen und Frauchen alle Sachen aus dem Auto hineintragen und verteilen. Meine Näpfe werden aufgestellt, meine Decke kommt mit ins Schlafzimmer, an der Terrasse suche ich mir ein schönes, schattiges Plätzchen, von dem aus ich alles gut im Blick habe. So schlecht kann dieses Ohrlaub also nicht werden, denke ich.

Und als wir uns dann zu dritt zu Fuß aufmachen über einen Schotterweg (etwas unangenehm an den Pfoten, ich erwähne es nur mal) Richtung Dünen (Frauchen sagt, die heißen so), weht mir schon eine salzige Brise um die Nase – und nun bin ich vollends überzeugt: Ohrlaub ist gut!

Nun mache ich aber erstmal ein kleines Schläfchen. Nächstes Mal berichte ich Euch von einem endlosen Strand, wilden Wellen und meinem Leuchtturm, der fast auf Nimmerwiedersehen in der Nordsee verschwand.

Bis dahin,

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