Ein Hund auf Reisen,  Ein Hund im Norden

Nur aufs Ziel zu sehen, verdirbt die Lust am Reisen

Leider, sagt Frauchen, leider können wir im Moment nicht verreisen. Ich weiß nicht genau, was das bedeutet und warum sie manchmal so ein bisschen traurig dreinblickt, aber wenn ich ihr dann meinen Kopf aufs Bein lege, lacht sie meistens wieder. Also kann es ja nicht so schlimm sein, glaube ich.


Reisen ist schön, sagen meine Menschen – aber nur aufs Ziel zu sehen, verdirbt die Lust aufs Reisen. Das wusste auch schon mein Kollege Friedrich Rückert. Also bleiben wir doch in der Gegend und gehen auf Erkundungstour.


Neues zu entdecken, ist unglaublich toll! Und zu entdecken gibt es jede Menge! Fast jeden Tag gehe ich mit Herrchen und Frauchen neue Wege – manchmal sind es nur kurze Strecken auf der Abendrunde, manchmal aber auch längere, zum Beispiel am Wochenende.

Ein Lost Place – aber kein Lost Dog


Neulich haben wir wieder so einen Ausflug unternommen. Wir fahren zu einem verlassenen Ort, sagt Herrchen und schaut ganz geheimnisvoll.

Davon gibt es einige hier, aber nicht alle darf man einfach so besuchen, sagt er. Diesen hier aber schon. Also sind wir bei schönstem Sonnenschein dorthin – ich mag es ja besonders, wenn der Himmel blitzeblau strahlt und die Sonne funkelt, es dabei aber schon kühl ist! Herrlich! Wir sind nur ganz kurz mit dem Auto unterwegs – ich mag Autofahren, aber noch lieber ist es mir, in der Landschaft rumzustromern.


Und was soll ich euch sagen – genau das kann man hier echt gut. Ich weiß nicht, ob Herrchen und Frauchen das wussten oder ob es ein Zufallstreffer war – aber hier finde ich es richtig toll!


Super ist ja auch, dass ich auf diesem Ausflug auch noch Verstärkung habe. Meine menschliche Cousine ist dabei und sie ist wirklich toll – mit ihr macht das Entdecken hier besonders viel Spaß. Überhaupt mag ich sie richtig gerne – sie kuschelt abends immer mit mir auf dem Sofa.


Wir laufen durch einen kleinen Park, alles ist ganz schon verwuchert – eine alte Lindenallee, alte Obstbäume und Zierbüsche (Rhododendron, darf ich nicht, weiß ich schon), ein verlassenes Haus, Reste eines Goldfischteiches, eine alte Treppe, die vermutlich mal vom Gutshaus in den sicher mal prächtigen Garten (sagt Frauchen) führte, eine alte Plantane (die älteste im Bundesland, sagt Herrchen – was ist ein Bundesland?) und eine alte Kapelle – alles sehr spannend! Und es riecht soooo gut! Hier in der Kapelle liegt auch richtig viel Müll rum – den darf ich aber nicht unter die Lupe nehmen. Blöd.

Herrchen erzählt, dass es hier seit dem 18. Jahrhundert einen Herrensitz gab, der jedoch 1944 komplett den Bomben zum Opfer fiel. Das heute noch vorhandene, leerstehende Einfamilienhaus entstand erst nach dem Krieg und dient heute als Winterquartier für Fledermäuse. Ich weiß zwar nicht, was das alles genau bedeutet, aber ich weiß, dass es hier echt spannend ist – ich muss mir das hier bald nochmal genauer angucken. Jetzt bin ich aber erstmal geschafft. Und hab Hunger.

Bis zum nächsten Mal,

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